Das Gras essen wir und das Korn die Tiere?

Weizengras und Weizenkorn – zwei unterschiedliche Welten

gekeimter Weizen
gekeimter Weizen

Weizen und Brot seien gesundheitsschädlich, behaupten einige Stimmen. Es scheint eine neue Mode zu sein, traditionelle Lebensmittel zu verteufeln. Das fängt bei Getreide an, das weltweit seit 17 000 Jahren gegessen und seit mindestens 10 000 Jahren aus Gräsern gezüchtet wird.  Mit Milchprodukten geht es weiter, die man ebenfalls seit Jahrtausenden für menschliche Zwecke zu nutzen weiß. Auf der Warnliste der selbsternannten Ernährungsexperten ist längst auch Soja gelandet, traditionell in Asien seit Jahrtausenden zu hochwertigen, sehr gesunden Lebensmitteln verarbeitet, ähnlich wie bei uns Milch- und Getreideprodukte. Unglaublich, dass ausgerechnet Getreide und Soja inzwischen hauptsächlich als Futtermittel für Nutztiere dienen! Doch tatsächlich werden diese Säulen der Ernährung mehr und mehr großtechnisch und industriell eingesetzt und nicht mehr handwerklich verarbeitet.

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Wildblumen-Mischung für Wildbienen

Wildblumen und BlütenBienen und ihr Verschwinden aus unseren Landschaften und Gärten machen vielen Menschen große Sorgen. Zurecht, denn der Fortbestand vieler hundert Arten von Wildbienen und Hummeln ist gefährdet. Das liegt  auch daran, dass artenreiche Blumenwiesen oder blühende Hecken und Bäume vielerorts der intensiven Landwirtschaft oder der Versiegelung von Flächen zum Opfer fallen. Mit dem Verschwinden der Wildbienen leiden nicht nur Landwirte und Obsterzeuger sondern das ganze Ökosystem. Das Fehlen von Wildbienen und das Bienensterben hierzulande und weltweit haben viele Ursachen über die sich Fachleute und Lobbyisten streiten. Zu Lasten der Bienen werden die unstrittigen überfälligen Maßnahmen zum Schutz der Bienen wegen angeblich fehlender Beweise nicht eingeleitet. Der Pestizideinsatz, die einseitige Ausrichtung unserer Landwirtschaft aber auch die intensive Bienenhaltung selbst gefährden im Zusammentreffen mit der Varroa-Milbe die Bienen.  Auch wenn einzelne bienengefährdenden Pestizide inzwischen verboten werden, bleibt die generelle Bedrohung. Raps mit seiner gelben Blüte ist eine sehr gute Futterquelle für Bienen, jedoch wird gerade der Raps in riesigen Monokulturen mehr und mehr mit Pestiziden behandelt, die das Überleben und die Gesundheit des Bienenvolkes gefährden können. Weiterhin entwickelt sich die Landwirtschaft weg von kleinen Strukturen hin zu großen Monokulturen, weg von vielfältigen Kulturen hin zu immer mehr Maisanbau. Mais als Windbestäuber hat für Bienen nichts zu bieten. Ganz anders die klassische Wiese zur Heugewinnung oder die Kuhweide.  Auch Getreide bietet Bienen keine Nahrung. Ohnehin sind alle ausgedehnten Äcker ohne Ackerrandstreifen, ohne blühendes Unkraut wie eine unüberwindliche Wüste für Bienen.

Privatinitiative und Engagement für Wildbienen sind also dringend nötig. Alle bestäubenden Insekten brauchen Nektar von Blütenpflanzen zur Ernährung, Bienen sammeln Nektar auch als Wintervorrat. Sehr wichtig ist deswegen eine lang anhaltende Verfügbarkeit von blühenden Pflanzen. Ebenso unverzichtbar ist Blütenpollen für die Aufzucht der Brut. Allerdings bieten nicht alle Blütenpflanzen die gleiche Pollenqualität. Deswegen ist die Aussaat der richtigen Blumen-Mischungen, das Anpflanzen geeigneter Blütensträucher sehr wichtig, wenn man Bienen, Wildbienen und anderen bestäubenden Insekten wirklich helfen will.

Wildblumen-Mischungen für Wildbienen sind Saatmischung mit einheimischen  Arten. Sie eignen sich für den Garten oder als Zwischenfrucht auf dem Acker.  Wenn Wildblumenmischung  auch zwei- und mehrjährige Blütenpflanzen enthalten, sind sie zur Ansaat dauerhafter Wiesen geeignet. Solche Mischungen sollen gemäht werden. Sie verdrängen typische eingeschleppte Problemunkräuter, so dass sie jederzeit auch als klassische Brache und zur Unkrautregulierung verwendet werden können.

Gebraucht werden möglichst viele Flächen mit Nektar- und Pollenpflanzen für Wildbienen. Eine Vernetzung ist wichtig, damit eine Wildbienenpopulation weiterziehen kann. Honigbienen werden mit dem ganzen Bienenstock vom Imker von Tracht zu Tracht transportiert, notfalls über große Distanzen. Honigbienen finden ihre Nahrung zunächst in der Obstblüte, dann im Raps und später vielleicht im Wald in den sie gefahren werden. Die Wildbienen müssen ihre Futterflächen selbst erreichen können. Jeder kann also mithelfen.

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Kohlenhydrate – viel mehr als schlechte Kalorien

Jahrzehnte lang galten Fette als ungesund und als Dickmacher. Man unterschied nicht, woher die Nahrungsfette kamen. Das aber ist sehr entscheidend – stammen die Fette aus Nüssen und Saaten, aus tierischen Produkten, aus Frittiertem oder aus Fertigprodukten? In dieser Zeit der Verteufelung von Fett galten Kohlenhydrate als Lösung der Gewichtsprobleme. Leider war auch diese Empfehlung vollkommen undifferenziert, denn Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate.

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Was Essen?

“Was sollen wir nach dem Dioxin-Skandal noch essen” fragen viele Leute. Ganz normal – aber von ausgewählten Quellen und mit Bedacht!

Regional kaufen
Brot vom Bäcker, Obst und Gemüse, Eier und Fleisch vom Bauernhof? Leider ist das vielerorts gar nicht möglich. Zu bevorzugen sind dennoch die regionalen Produkte. Bei Eiern und Fleisch sollte es allerdings Bio sein, denn hier bedeutet Bioqualität weit mehr als das Weglassen von unerwünschten Stoffen. Es handelt sich um andere Vorrausetzungen bei der Zusammenstellung des Tierfutters, um eine andere Form der Tierhaltung und vielmals um andere, gesündere Tierrassen.
Milchprodukte aus der Region zu finden ist angesichts der unglaublich niedrigen Milchpreise, die in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Milchbauern und kleine Milchwerke zum Aufgeben gezwungen haben, inzwischen schwierig geworden. Bio-Milch wird den Bauern um wenige Cent besser bezahlt, aber auch nur, wenn das Milchwerk eine regionale Marke herstellt, die Milch dafür nicht von zu weit her kommt. Discounter-Bio-Milch löst das Problem zu niedriger Erzeugerpreise nicht. Auch hier geraten Bauern unter Preisdruck und den ökonomischen Zwang zu immer größerer Produktivität, immer minderwertigeren Futtermitteln und immer rationellerer Tierhaltung.
Dazu auch: Absurde Nahrungsmittelproduktion

Fleisch fürs Aroma
Es muss nicht immer ein ganzes Schnitzel oder ein riesiges Steak sein. Kleine Mengen von gutem Fleisch, beim Metzger nebenan frisch gekauft, werten Schmor- und Pfannengerichte auf, bringen Geschmack in Eintöpfe und Suppen und sind vollkommen ausreichend für authentische internationale Spezialitäten. Übrigens schmecken viele Gerichte auch mit scharf angebratenem und gewürztem Tofu oder mit Pilzen aromatisch. Aus Soja gibt es außerdem sogenanntes Sojafleisch, das in Gemüsebrühe eingeweicht wie Hackfleisch verwendet werden kann, beispielsweise für Bolognese, Moussaka oder Chili. Sojafleisch sollte der eigenen Gesundheit und der Natur zuliebe aus biologischem Anbau stammen, damit die verwendeten Sojabohnen garantiert nicht transgen (genetisch verändert) sind.

Versteckt!
Wer selbst kocht und bewusst einkauft, der vermeidet weitgehend den ungewollten Konsum von Eipulver, Milchpulver oder Fetten unbekannter Herkunft und Qualität. Diese Billig-Zutaten stecken ansonsten in den meisten Backwaren und Fertiggerichten, in Müsli- und Energieriegeln, in Eiscremes und Saucen.

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Absurde Nahrungsmittelproduktion

Die Perversion unserer Nahrungsmittel-Produktion wird an vielen Stellen deutlich. Intensive Produktion unter hohem Einsatz an Energie, eine schlechte CO2-Bilanz obwohl es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt und unglaubliche Mengen an produziertem Abfall. Weg geworfen werden krumme Gurken, große Kartoffeln oder eben Dioxin belastete Hühner und Schweine. Wir produzieren für Verbrennungsöfen und Müllhalden – angeblich rationell, damit die Lebensmittel billiger werden? Angeblich könnten wir auf nachhaltige und Ressourcen schonende Weise unsere Ernährung nicht sichern und müssten alle hungern. Deswegen füttern wir Nutztieren das, was eigentlich wir essen könnten? Deswegen bauen wir in riesigen Monokulturen weltweit Getreide, Mais und Soja für die Futtertröge an?

Dazu muss man beispielsweise wissen: Kühe geben dann besonders gute und fette Milch, aus der man viel gesunde Butter und ebensolchen Käse machen kann, wenn sie viel Gras und Heu fressen! Sie brauchen dafür keine zugesetzten Futterfette und auch nicht eine Ernährung basierend auf Getreide und Soja! Sie produzieren, dank ihres spezialisierten Magens, ein hochwertiges, gesunde Lebensmittel in Form von Milch aus Gras und Kräutern.

Was hat sich also geändert? Bei unseren heutigen Hochleistungsküchen, die vier bis fünf Mal so viel Milch geben wie die Kühe nach dem Krieg und fast doppelt so viel wie die Kühe vor 25 Jahren, wird die Absurdität heutiger Produktionsmethoden besonders deutlich. Statt den Kühen das ringsum natürlich wachsendes Gras und  Heu zu füttern, und dabei obendrein die Landschaft zu pflegen und zu erhalten, werden Grasfresser zu Nahrungskonkurrenten des Menschen gemacht.

Wieso der ganze Aufwand? Ein Kuh-Magen hat nur eine begrenzte Größe und Aufnahmekapazität. Lässt man die Kuh Gras fressen, so ist sie bald satt und hat dennoch nicht sehr viele Kalorien aufgenommen. Sie gibt nur ein bis zwei Eimer Milch am Tag. Füttert man sie hingegen mit energiereichen Mischfuttermitteln – quasi mit Energieriegeln – so passt viel mehr in die Hochleistungskuh hinein. Da sie über Jahrzehnte entsprechend gezüchtet wurde, kann sie diese Massen an Energie in Milch umwandeln. Besonders rentabel werden die Kuh, das Mastschwein, die Legehenne und das Masthähnchen, wenn sie sich möglichst wenig bewegen und also möglichst wenige Kalorien verbrauchen. Der Rentabilität und damit dem gnadenlosen Preiskampf schadet auch, wenn sich die Tiere an der frischen Luft aufhalten, wo Wind und Kälte zu einem noch höheren “uneffektiven” Kalorienverbrauch führen würden. Ein perverses System.

Von Agrarlobbyisten wird uns das Ganze deswegen auch gerne als besonders ökologisch verkauft. Eine bessere CO2-Bilanz und der Klimaschutz werden ins Feld geführt. Als sei das Fressen von Gras eine Verschwendung von Ressourcen und nicht etwa deren perfekte, natürliche und nachhaltige Nutzung!

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