Schönes Wetter oder drohende Verwüstung?

Es sind stehende Begriffe mit denen Wetterfrösche unser Wetter kommentieren. “Schönes Wetter” heißt ungetrübter Sonnenschein, schlechtes Wetter heißt Regen. Daran ist nichts auszusetzten. Es sei denn die Schönwetterperiode hält über viele Wochen oder gar Monate an und findet ausgerechnet im Frühling statt. Begleitet wird das schöne Wetter von trockenem Wind aus Osten und hohen Temperaturen. Derzeit sollten wir eigentlich “Aprilwetter” haben – einen Mix aus Sonne, Regengüssen und Gewittern. Echtes Wachstumswetter für alle Pflanzen, insbesondere den Wald. Wachstumswetter auch für Weizen, Gerste, Kartoffeln und andere Feldfrüchte. Wachstum für das Gras auf der Wiese und das Heu als Wintervorrat für Pflanzenfresser. Was wäre wenn dieses schöne Wetter länger anhielte? Alle denken an Waldbrandgefahr, und nun auch an Feuer im trocken gefallenen Hochmoor. Die langfristigen Folgen können allerdings noch viel schlimmer sein.

In Dürregebieten wächst kein Wald

Aus den Trockengebieten der Erde sind die Effekte bekannt. Zunächst verdorrt das Gras auf dem Halm. Es gibt überall Missernten, keine Körner, nur Stroh.  Irgendwann aber verdorren auch Bäume und Sträucher, zumindest alle die ausserhalb von Flusstälern oder Grundwasserströmen wachsen. Es ist ein Kennzeichen von Wüsten, dass  – wenn überhaupt – dann einjährige Pflanzenarten überleben. Diese sogenannten Annuellen  haben sich darauf eingestellt, alle ihre Kraft innerhalb kurzer Zeit in die Bildung von Samen zu legen, den Rest der Pflanze absterben zu lassen. Die Samen können dann oft jahrelang im Boden schlummern bevor die Bedingungen für Keimung und Wachstum wieder günstig sind. Ähnlich gut an jährliche Dürre angepasst sind Zwiebelgewächse wie beispielsweise Tulpen. Es wachsen bei entsprechenden Klimabedingungen aber nur Gräser und Blumen, keine großen Pflanzen, keine Schattenbäume und kein Wald.

Erosion

Die Überlebensstrategie in Gebieten mit langen Dürreperioden hat weitere Nachteile für uns und für anderes Leben: Annuelle Pflanzen bieten keinen Schutz vor Erosion. Wenn der Regen sehr kräftig ausfällt, wie wir das aus den letzten Jahren kennen, spült er die oberen Bodenschichten mit dem sturtzbachartig ablaufenden Wasser gleich mit weg. Starker Regen mit dicken Tropfen nach langer Dürre dringt noch nicht einmal in den Boden ein. Vielfach benetzt er die ausgedörrte Bodenoberfläche kaum. Niederschlag und Boden gehen gleichermaßen verloren, werden ins Tal und mit den Strömen fortgespült.
Lesetipp: Der Klimawandel und der Zustand unserer Landschaften

Sandstürme

Ein anderes Phänomen in Wüsten sind Sandstürme. Sie entstehen aus dem einzigen Grund, dass Alles unbewachsen ist, dass riesige Flächen ohne Windschutz sind und keine Hindernisse oder Wurzeln sie festhalten können. Auch dabei wird der Erosion Vorschub geleistet, der Winderosion. Hier beginnt und endet ein Teufelskreis der Verwüstung. Ohne Windschutz bläst der Wind unablässig, ungebremst und dadurch besonders stark. Es gibt keinen Windschatten hinter Hecken oder an Waldrändern. Ohne Windschutz wird der feine Mutterboden vom Winde verweht, hoch aufgewirbelt und weit weg transportiert. Zurück bleiben Steine. Die betroffenen Flächen werden unfruchtbar. Auf Feldern ohne feinen Oberboden, ohne Nährstoffe oder Humus können praktisch keine Pflanzen mehr wachsen. Ohne Pflanzenwachstum gibt es  weiterhin nichts, das den Boden festhalten, Windschutz bieten und Humus bilden könnten.

Agrarwüsten

Kürzlich sahen wir dasselbe Phänomen, noch dazu aus demselben Grund, bei uns auf der Autobahn in Mecklenburg-Vorpommern. Große brachliegende landwirtschaftlich genutzte Flächen ohne Hecken, ohne Bäume so weit das Auge reicht – Agrarwüsten.  Das darf in Deutschland, einem Land in dem Wälder wachsen, nicht passieren!

Demnächst mehr: Gärtnern bei Trockenheit


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Bioethanol, E10 und Energiepflanzen

Bioethanol und der neue Kraftstoff E 10 werfen viele Fragen auf. Auf der einen Seite steht die Leistung und die Motorentauglichkeit für verschiedene Fahrzeugmodelle auf dem Prüfstand. Mindestens genauso interessant sind aber die Klimabilanz und die Nachhaltigkeit von Bioethanol. Es bleibt weitgehend unklar woher das Ethanol eigentlich stammt? Aus Importen, aus landwirtschaftlicher Erzeugung in Deutschland oder der EU? Aus welchen Pflanzen wird es gewonnen? Möglich ist die Herstellung von Ethanol aus Mais, Weizen, Zuckerrüben und Kartoffeln aber auch aus Zuckerrohr. Diese Fragen sind alles andere als nebensächlich, denn sie entscheiden über Sinn oder Unsinn der Beimischung. Selbst der beabsichtigte Sinn der Ethanol-Anreicherung bleibt verborgen – geht es um den Klimaschutz, um die Förderung der heimischen Landwirtschaft oder um eine Reduzierung der Erdöl-Importe? Die letzten beiden Gründe sprechen für Bioethanol als Treibstoff – doch zu welchen Kosten? Die CO2-Bilanz von Bioethanol im Benzin ist aller Wahrscheinlichkeit nach negativ, zu aufwändig ist die Herstellung und zu gering sind die Erträge. Um Energiepflanzen ökologisch sinnvoll und nachhaltig einzusetzen und anzubauen bedarf es vieler Überlegungen. Dazu mehr in diesem Artikel: Energie aus Biomasse

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Wenn alle Menschen Vegetarier wären…

Tierfreunde und Tierschützer nennen als wichtigsten Grund vegetarisch zu essen oder vegan zu leben den Tierschutz, die Liebe zu Tieren und die Ablehnung des Schlachtens. Aus Tierliebe keine tierischen Produkte zu essen, scheint nur konsequent zu sein und klingt zunächst einleuchtend. Was aber wären die Konsequenzen daraus?

1. Artenschutz

Nutztierrassen, die über Jahrhunderte und Jahrtausende gehalten und gezüchtet worden sind, würden einfach aussterben. In unseren begrenzten Landschaften wäre kein Platz mehr für Kühe, Schafe und Schweine. Das ist im Übrigen auch kein neues Problem oder Phänomen, denn seit Jahrzehnten sind Nutztierrassen vom Aussterben bedroht.
“Was wäre schlimm daran, wenn es  keine Hinterwälder Kuh, keine Heidschnucke und kein Buntes Bentheimer Schwein mehr gäbe”, mag der ein oder andere Vegetarier nun fragen. Nutztiere sind Kulturerbe und Naturerbe, sie sind ein Teil der Biodiversität und ihre wilden Vorfahren waren alle vor uns da, bevor der Mensch ihnen begrenzte Lebensräume – etwa auf Weiden – zuwies und angestammte Lebensräume wegnahm. Es würde  keine Kühe, Ziegen und Schafe  geben, wenn sie nicht gehalten würden. Nicht in Deutschland und nicht in Europa. In Zukunft zur Kuh- und Schweinesafari nach Afrika?

2. Landschaftsschutz

Die Entwicklung unsere Landschaften ging einher mit Tierhaltung. Durch die Haltung von Nutztieren entstanden Wiesen und Weiden, Tal-Auen und Lichtungen. Gras und Gestrüpp was an solchen Stellen wächst, sei es an Steilhängen in den Alpen und in den Mittelgebirgen, sei es auf und hinter Deichen, auf Streuobstwiesen oder Heiden, muss von Grasfressern beweidet werden. Wenn nicht, dann verschwinden diese Landschaften und mit den Landschaften auch alle Pflanzen und Tiere dieser Biotope. An manchen Orten hat man gar keine Wahl – es muss beweidet werden, denn sonst drohen Deichbrüche an der Nordsee, Lawinen auf ungemähten Hängen in den Alpen, verbuschte und undurchdringliche Wasserwege. Die Landschaftspflege wird mehr und mehr zum wichtigen Aspekt der Nutztierhaltung. Warum lassen wir nicht Pferde und wild lebende Tiere wie Rehe, Hirsche und Gämsen das Abweiden übernehmen? Nun, dann müssten wir diese schlachten und essen.

3. Ernährungssicherung

Die Ernährung des Menschen seit seiner Entwicklung beinhaltete stets tierisches Eiweiß und Fett. Wer sich gut auskennt, kann heute auf tierische Produkte verzichten und sich dennoch gesund ernähren. Einige Vitamine und Mineralstoffe sind problematisch und müssen supplementiert werden, der Eiweißbedarf kann aber auch über vegetarische Kost gedeckt werden, der Fettbedarf sowieso und viele gesundheitlich wichtige Stoffe finden sich nur in pflanzlicher Kost. Das stimmt für Europäer und Amerikaner, für alle reichen Industriegesellschaften der Welt. Es stimmt nicht an vielen anderen Plätzen der Welt. Nomadenvölker wie Berber und Beduinen, Hirten beziehungsweise tierhaltende Völker wie die Mongolen, Kirgisen und sibirische Völker können in kargen Landschaften nur dank ihrer Tiere überleben. Die Weidetiere verwandeln mageres Gras und Kräuter in hochwertige Milch, Butter und Fleisch. Es wäre eine ökologische Katastrophe, solche Regionen stattdessen umzupflügen und Felder zu bestellen. Tierhaltung hat überall dort absoluten Vorrang und ökologischen Sinn, wo es zu trocken oder zu nass, zu kalt oder zu heiß für Pflanzenbau ist. Ökologische Vorteile hat Tierhaltung außerdem in allen Hanglagen und Gebirgen. Überall wo befürchtet werden muss, dass Wasser den Boden wegschwemmt oder Winderosion den Boden wegbläst, sollte kein Ackerbau mit dem Pflug betrieben werden. Beispiele für solchen Frevel an der Umwelt gibt es auch aus Europa zu Hauf. Wir legten überall Moore trocken, begradigten Flussauen, holzten Eichenwälder ab, um Gemüse im großen Stil anzubauen. Schafe und Ziegen genauso wie Schweine hätten diese Flächen beweidet ohne sie zu zerstören. Vielleicht hätten wir mehr Lammfleisch und Iberischen Schinken essen müssen und weniger Spargel und Paprika?

Was folgt daraus?

Das alles soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Massentierhaltung ein riesiges Problem unserer Zeit ist. Es ist völlig offensichtlich, dass Futtermittel wie Soja und Getreide besser menschlicher Ernährung dienen sollten und nicht (und schon gar nicht in diesen Mengen) an Hühner, Schweine und Kühe verfüttert werden sollten. Tatsächlich fallen Naturlandschaften noch immer dem Pflug für immer mehr Tierfutter zum Opfer. Doch aus all diesen Gründen könnten ganz andere Schlussfolgerungen gezogen werden, nämlich das sehr bewusste aber sparsame Einkaufen und Essen von regionalen Spezialitäten  aus angepassten Tierrassen. Das würde Landwirte unterstützen, die Naturschutz, Landschaftspfege und Tierschutz ernst meinen.

Dazu auch: Absurde Nahrungsmittelproduktion

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Von Pestiziden, Dioxinen und Grenzwerten

Ja, es stimmt, wir sterben nicht an einem mit Dioxin oder Pestiziden belasteten Essen. Die immer wiederkehrenden Aussagen der Experten, es bestünde keine akute Gefahr, sind dennoch nichts als Beschwichtigungen. Bei der Produktion unserer Lebensmittel und anderer Agrarrohstoffe in fernen Ländern, sterben Menschen durchaus an akuten Belastungen mit Pestiziden, meist durch ungeeignete Methoden bei ihrer Ausbringung aber auch durch ständige zu hohe Belastung und durch verseuchtes Grundwasser. In Deutschland ist die Anwendung vieler der gefährlichsten Pestizide seit Jahren verboten. Produzieren und exportieren tun wir sie trotzdem.

Die akute Gefahr ist nicht das einzige Risiko für Verbraucher. Seit langem ist bekannt, dass sich Dioxine und viele Pestizide (Organochlorverbindungen) über die Nahrungskette stark anreichern. Davon sind Wildtiere betroffen, die am Ende der Nahrungskette stehen wie etwa Eisbären und Seeadler. In gleichem Maße betrifft dies den Menschen. Ist es etwa gleichgültig, dass Muttermilch ein gesundheitliches Risiko für Babys darstellt? Wer kann mit Sicherheit behaupten, dass die in einem 50 oder 60-jährigen Leben im Körper akkumulierte Chlorchemie nicht doch zu viel wird und eben doch Krebs auslöst, selbst wenn nie Grenzwerte überschritten wurden? Überall wird derzeit behauptet, es gäbe eine natürliche Belastung mit Dioxinen. Natürlich ist daran aber gar nichts, ohne Chlorchemie kein Dioxin! Kein Dioxin ohne PCB-Müllverbrennung oder illegale Hausmüllentsorgung. Wir hören nun ständig, Bioprodukte seien höher belastet, weil die Tiere draußen picken und grasen dürfen. “Draußen” – was in unserem sich ausbreitenden Verständnis gleichbedeutend geworden ist mit “verseucht”? Das ist tendenziöser oder zumindest ignoranter Unsinn! Der ökologische Landbau verwendet keine Rohstoffe und keine Hilfsmittel, die Dioxine verursachen, nicht hier und nicht anderswo. Der allgemeine Belastungsstatus von Böden, Wasser und Lebensmitteln, von Wildtieren und Menschen würde sich langfristig verringern, wenn weltweit weniger Pestizide gespritzt würden.

Die Alternative ist der ökologische Landbau und nicht eine weitere Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft. Der völlig falsche Weg ist hingegen Ilse Aigners Gesetzentwurf zu einer Vereinfachung der Zulassung von Pestiziden. Vereinfacht werden könnte hingegen deren Verbot. Wenn ganze Bienenvölker sterben, wie in den badischen Maisanbaugebieten vor drei Jahren, dann müssen solche Pestizide gänzlich verboten werden. Man fragt sich ohnehin wieso dies nicht vorher festgestellt wurde? Grenzwerte hin oder her – gefährliche Pestizide müssen durch ungefährliche ersetzt werden. Der Landbau muss  naturverträglicher werden. Das ist möglich!

BUND: Anhaltendes Bienensterben durch Pestizide

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Was Essen?

“Was sollen wir nach dem Dioxin-Skandal noch essen” fragen viele Leute. Ganz normal – aber von ausgewählten Quellen und mit Bedacht!

Regional kaufen
Brot vom Bäcker, Obst und Gemüse, Eier und Fleisch vom Bauernhof? Leider ist das vielerorts gar nicht möglich. Zu bevorzugen sind dennoch die regionalen Produkte. Bei Eiern und Fleisch sollte es allerdings Bio sein, denn hier bedeutet Bioqualität weit mehr als das Weglassen von unerwünschten Stoffen. Es handelt sich um andere Vorrausetzungen bei der Zusammenstellung des Tierfutters, um eine andere Form der Tierhaltung und vielmals um andere, gesündere Tierrassen.
Milchprodukte aus der Region zu finden ist angesichts der unglaublich niedrigen Milchpreise, die in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Milchbauern und kleine Milchwerke zum Aufgeben gezwungen haben, inzwischen schwierig geworden. Bio-Milch wird den Bauern um wenige Cent besser bezahlt, aber auch nur, wenn das Milchwerk eine regionale Marke herstellt, die Milch dafür nicht von zu weit her kommt. Discounter-Bio-Milch löst das Problem zu niedriger Erzeugerpreise nicht. Auch hier geraten Bauern unter Preisdruck und den ökonomischen Zwang zu immer größerer Produktivität, immer minderwertigeren Futtermitteln und immer rationellerer Tierhaltung.
Dazu auch: Absurde Nahrungsmittelproduktion

Fleisch fürs Aroma
Es muss nicht immer ein ganzes Schnitzel oder ein riesiges Steak sein. Kleine Mengen von gutem Fleisch, beim Metzger nebenan frisch gekauft, werten Schmor- und Pfannengerichte auf, bringen Geschmack in Eintöpfe und Suppen und sind vollkommen ausreichend für authentische internationale Spezialitäten. Übrigens schmecken viele Gerichte auch mit scharf angebratenem und gewürztem Tofu oder mit Pilzen aromatisch. Aus Soja gibt es außerdem sogenanntes Sojafleisch, das in Gemüsebrühe eingeweicht wie Hackfleisch verwendet werden kann, beispielsweise für Bolognese, Moussaka oder Chili. Sojafleisch sollte der eigenen Gesundheit und der Natur zuliebe aus biologischem Anbau stammen, damit die verwendeten Sojabohnen garantiert nicht transgen (genetisch verändert) sind.

Versteckt!
Wer selbst kocht und bewusst einkauft, der vermeidet weitgehend den ungewollten Konsum von Eipulver, Milchpulver oder Fetten unbekannter Herkunft und Qualität. Diese Billig-Zutaten stecken ansonsten in den meisten Backwaren und Fertiggerichten, in Müsli- und Energieriegeln, in Eiscremes und Saucen.

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Absurde Nahrungsmittelproduktion

Die Perversion unserer Nahrungsmittel-Produktion wird an vielen Stellen deutlich. Intensive Produktion unter hohem Einsatz an Energie, eine schlechte CO2-Bilanz obwohl es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt und unglaubliche Mengen an produziertem Abfall. Weg geworfen werden krumme Gurken, große Kartoffeln oder eben Dioxin belastete Hühner und Schweine. Wir produzieren für Verbrennungsöfen und Müllhalden – angeblich rationell, damit die Lebensmittel billiger werden? Angeblich könnten wir auf nachhaltige und Ressourcen schonende Weise unsere Ernährung nicht sichern und müssten alle hungern. Deswegen füttern wir Nutztieren das, was eigentlich wir essen könnten? Deswegen bauen wir in riesigen Monokulturen weltweit Getreide, Mais und Soja für die Futtertröge an?

Dazu muss man beispielsweise wissen: Kühe geben dann besonders gute und fette Milch, aus der man viel gesunde Butter und ebensolchen Käse machen kann, wenn sie viel Gras und Heu fressen! Sie brauchen dafür keine zugesetzten Futterfette und auch nicht eine Ernährung basierend auf Getreide und Soja! Sie produzieren, dank ihres spezialisierten Magens, ein hochwertiges, gesunde Lebensmittel in Form von Milch aus Gras und Kräutern.

Was hat sich also geändert? Bei unseren heutigen Hochleistungsküchen, die vier bis fünf Mal so viel Milch geben wie die Kühe nach dem Krieg und fast doppelt so viel wie die Kühe vor 25 Jahren, wird die Absurdität heutiger Produktionsmethoden besonders deutlich. Statt den Kühen das ringsum natürlich wachsendes Gras und  Heu zu füttern, und dabei obendrein die Landschaft zu pflegen und zu erhalten, werden Grasfresser zu Nahrungskonkurrenten des Menschen gemacht.

Wieso der ganze Aufwand? Ein Kuh-Magen hat nur eine begrenzte Größe und Aufnahmekapazität. Lässt man die Kuh Gras fressen, so ist sie bald satt und hat dennoch nicht sehr viele Kalorien aufgenommen. Sie gibt nur ein bis zwei Eimer Milch am Tag. Füttert man sie hingegen mit energiereichen Mischfuttermitteln – quasi mit Energieriegeln – so passt viel mehr in die Hochleistungskuh hinein. Da sie über Jahrzehnte entsprechend gezüchtet wurde, kann sie diese Massen an Energie in Milch umwandeln. Besonders rentabel werden die Kuh, das Mastschwein, die Legehenne und das Masthähnchen, wenn sie sich möglichst wenig bewegen und also möglichst wenige Kalorien verbrauchen. Der Rentabilität und damit dem gnadenlosen Preiskampf schadet auch, wenn sich die Tiere an der frischen Luft aufhalten, wo Wind und Kälte zu einem noch höheren “uneffektiven” Kalorienverbrauch führen würden. Ein perverses System.

Von Agrarlobbyisten wird uns das Ganze deswegen auch gerne als besonders ökologisch verkauft. Eine bessere CO2-Bilanz und der Klimaschutz werden ins Feld geführt. Als sei das Fressen von Gras eine Verschwendung von Ressourcen und nicht etwa deren perfekte, natürliche und nachhaltige Nutzung!

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Augen-Wischerei & Futter-Mischerei

Es ist  nicht zutreffend, sondern Augenwischerei, wenn jetzt behauptet wird, der ausgewachsene Dioxin-Skandal hätte nichts mit unserer industrialisierten Landwirtschaft zu tun. Er hat sogar nur damit zu tun! Dioxin wäre niemals in diesem Ausmaß im Futter enthalten, das landwirtschaftliche Nutztiere eigentlich fressen würden – Gras und viele Kräuter, Stroh, Getreide, Futterrüben und Kartoffeln, Samen und Körner, im Fall der Hühner und Schweine auch noch Insekten und Würmer. Die Entwicklung weg vom Bauernhof und hin zur Massentierhaltung hat alles verändert. Am meisten die Futtermittel.

Wenn jetzt alle von Schwarzen Schafen reden, so ist dennoch gesetzlich wenig verboten, was in Futtermittel wandern darf. Vor allem gibt es bei Mischfuttermitteln keine gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich Rezeptur, Herstellung und wertbestimmenden Inhaltstoffen. Erlaubt ist hingegen die “Zugabe von Destillations- und Raffinationsfettsäuren, die bei der destillativen bzw. Laugenentsäuerung von pflanzlichen Fetten und Ölen, (…) anfallen”  (1: Quelle: Jeroch/Frochner/Simon). Erlaubt sind auch “Salze von Fettsäuren, die bei der Verseifung von Fettsäuren entstehen” (1). Wer sich auskennt der weiß – in Ölsaaten, die der Destillation und Raffination unterzogen werden, kann jede Menge Agrarchemie in Form von gefährlichen Pestiziden stecken, Pestizide, die im Verlauf der Produktionsketten auch zur Entstehung von Dioxinen führen können. Werden die wegen der hohen Gesundheitsgefährdung bestehenden Grenzwerte für Pestizide in Speiseöl überschritten, so passiert eigentlich was mit den Ölsaaten? Selbstverständlich in Futtermitteln erlaubt sind aber auch eine lange Liste an Zusatzstoffen, von den Konservierungsmitteln bis zu den vorbeugenden Medikamenten.  Das Problem ist offensichtlich – unsere intensive Landwirtschaft erfordert an vielen Stellen den massiven und massenhaften Einsatz von Chemikalien. Bei deren Herstellung entstehen Dioxine.

Auch wenn es  keine endgültige Sicherheit gibt: die Produktionswege und die eingesetzten Mittel sind in der Biolandwirtschaft einfach anders!

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Bioboom hoffentlich nachhaltig

Als alter Biokunde beobachtet man den momentanen Run auf Bioeier mit gemischten Gefühlen. Leere Regale in der Bio-Abteilung der Supermärkte und auch in Bioläden sind die eine Seite der Medaille. Manch überzeugter Biokonsument mag sich darüber ärgern, dass die gewohnten Bio-Eier nicht mehr verfügbar sind: “Sollen die unbelehrbaren, die ansonsten konventionelle Eier aus Massentierhaltung kaufen, doch jetzt auch die Dioxin-Eier verwenden und nicht uns Wegbereitern der Biobranche unsere Lebensmittel streitig machen”. Das ist natürlich Unsinn, denn niemand sollte gezwungen sein höhere Dosierungen der krebserzeugenden Dioxine zu konsumieren, als es ohnehin nicht zu vermeiden ist.

Die zweite Seite der Medaille ist wirklich Besorgnis erregend: Woher werden die vermehrt nachgefragten Bioeier nun so plötzlich kommen? Ganz so schnell lassen sich neue Biobetriebe nicht etablieren, konventionelle Geflügelhalter nicht überzeugen,  Bio-Legehennen nicht so schnell aufstallen wie sie nun gebraucht würden. Woher soll das Bio-Hühnerfutter in Zukunft kommen? Aus immer größeren Futtermittelbetrieben? Aus immer weniger transparenten Importen? Wozu wird das führen? Zu einer weiteren Verwässerung der ursprünglichen Biokriterien? Zu Bioeiern aus China und Weissrussland, zu Stallgrößen in der selben Größenordnung wie bei der verpöhnten Käfighaltung?

Wie weit weg sind wir auch in Bio von scharrenden Hühnern, regionalen Erzeugern und hofeigenen Futtermitteln oder doch zumindest Futtermitteln vom Nachbarbetrieb. Man kann hoffen, und sich beim Einkaufen entsprechend verhalten, dass der Bioboom einen nachhaltigen Trend auslösen wird. Vieles wäre besser, wenn wir alle beim Bauern einkauften oder regionale Sortimente in unserem Supermarkt auswählten. Eier nur aus der Region, auch wenn sie einige Cent teurer sind als die unbekannten Bio-Eier von irgendwo. Denn auch Bio ist nicht gleich Bio!

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Futtermittel-Positivliste

Der richtige Ansatz im Futtermittel- beziehungsweise Dioxin-Skandal kommt nun von der Bundesverbraucherschutz Ministerin a.D. Renate Künast. Sie kritisiert dabei das praktizierte System, die Futtermittelkontrollen und Futtermittel-Mixturen den Futtermittelherstellern allein zu überlassen. Ohnehin hört sich dies wie ein schlechter Witz an. Künast fordert zu Recht: “Wir brauchen eine Positivliste der als Tierfutter geeigneten Rohstoffe”.  Altöl wie in vergangenen Dioxin-Skandalen, Tiermehl für Wiederkäuer wie in der BSE-Krise aber auch Futterfette für technische Zwecke gehören völlig unzweifelhaft nicht dazu. Die Liste der vollkommen ungeeigneten Rohstoffe ließe sich beliebig verlängern. Darin liegt das Problem. Aus industriellen Prozessen in vielen Bereichen entstehen Abfallprodukte, die weiterverwertet werden, um Kosten zu senken. Kosten senken, um belastete Rohstoffe billig zu entsorgen und auch um Geld für Futtermittel zu sparen, ist gängige Praxis.

Sehr viele Nebenprodukte aus Prozessen der Lebensmittelindustrie sind  hingegen geeignet und ungefährlich. Pressrückstände von Säften oder Ölen, genauso wie Nebenprodukte der Müllerei und der Brauerei sind gängige und hochwertige Futtermittel. Wir hoffen auch beim Essen von Brot und Nudeln, beim Trinken von Bier und Fruchtsaft oder bei der Verwendung von Speiseöl darauf, dass die Ausgangstoffe nicht mit Pestiziden belastet waren. Unter dieser Voraussetzung können wir Mehle, Trester und Presskuchen unseren Tieren füttern. Das Gleiche gilt für Mineralstoffe. Salze und Oxide, die auch für den menschlichen Verzehr geeignet wären und nicht etwa Klärschlamm, sollten in die Futtertröge wandern.

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Dioxin in Eiern und Fleisch

Es ist bezeichnend und leider auch typisch für die heutige Agrarpolitik und den Verbraucherschutz. Kaum sind Grenzwerte überschritten wie beim neuesten Dioxin-Skandal in Eiern, Huhn und Putenfleisch sowie im Schweinfleisch, dann wollen alle bessere Lebensmittelkontrollen. Ich auch! Das eigentliche Problem liegt aber im System und viel tiefer. Wieso interessiert die Frage danach, wo das Dioxin ursprünglich herkam und wieso es entstanden ist, weit weniger als die Frage nach der Verteilung im Supermarktregal? Wollen wir jedes Schnitzel analysieren bevor wir es essen können? Ist es nicht viel sinnvoller, Verarbeitungsformen von Lebens- und Futtermitteln auszuschließen, die beispielsweise Dioxin verursachen? Deutlich wird einmal mehr, dass die gängigen Produktionsverfahren und Fütterungsweisen in der Massentierhaltung vollkommen undurchsichtig und sehr gefährlich sind, nicht nur während eines aktuellen Lebensmittel-Skandals.

Alle sind jetzt unschuldig, denn der Erzeuger (Tierhalter) hat seine Futtermittel nur eingekauft, der Futtermittelhersteller ebenso und niemand weiß, woher die giftigen Bestandteile kommen. Selbst unter besten Umständen und ganz ohne spezielle Belastung mit Dioxinen, Pestiziden, Schwermetallen und Antibiotika kommen die Futtermittel wie Getreide, Tapioka und Soja nämlich aus fernen Ländern zu uns und nicht aus Deutschland oder Europa. Mit billigen Futtermitteln können wir Fleischberge produzieren um sie zu Dumping-Preisen wieder zu exportieren. Oft in die armen Länder, aus denen die Futtermittel kamen. Oder wie wir hören nach Südkorea, wo deutsches Fleisch dann billiger ist als das einheimische! Darf das wahr sein? Billigexporte von Hühnern ruinieren beispielsweise auch seit Jahrzehnten Kleinbauern in Afrika, die Hühner halten, denn auch ein afrikanisches Huhn ist teurer als ein unter industriellen Haltungsbedingungen mit billigsten Futtermitteln produziertes Huhn bei uns. Schizophren und eine ökologische sowie soziale Katastrophe.

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