Was Essen?

“Was sollen wir nach dem Dioxin-Skandal noch essen” fragen viele Leute. Ganz normal – aber von ausgewählten Quellen und mit Bedacht!

Regional kaufen
Brot vom Bäcker, Obst und Gemüse, Eier und Fleisch vom Bauernhof? Leider ist das vielerorts gar nicht möglich. Zu bevorzugen sind dennoch die regionalen Produkte. Bei Eiern und Fleisch sollte es allerdings Bio sein, denn hier bedeutet Bioqualität weit mehr als das Weglassen von unerwünschten Stoffen. Es handelt sich um andere Vorrausetzungen bei der Zusammenstellung des Tierfutters, um eine andere Form der Tierhaltung und vielmals um andere, gesündere Tierrassen.
Milchprodukte aus der Region zu finden ist angesichts der unglaublich niedrigen Milchpreise, die in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Milchbauern und kleine Milchwerke zum Aufgeben gezwungen haben, inzwischen schwierig geworden. Bio-Milch wird den Bauern um wenige Cent besser bezahlt, aber auch nur, wenn das Milchwerk eine regionale Marke herstellt, die Milch dafür nicht von zu weit her kommt. Discounter-Bio-Milch löst das Problem zu niedriger Erzeugerpreise nicht. Auch hier geraten Bauern unter Preisdruck und den ökonomischen Zwang zu immer größerer Produktivität, immer minderwertigeren Futtermitteln und immer rationellerer Tierhaltung.
Dazu auch: Absurde Nahrungsmittelproduktion

Fleisch fürs Aroma
Es muss nicht immer ein ganzes Schnitzel oder ein riesiges Steak sein. Kleine Mengen von gutem Fleisch, beim Metzger nebenan frisch gekauft, werten Schmor- und Pfannengerichte auf, bringen Geschmack in Eintöpfe und Suppen und sind vollkommen ausreichend für authentische internationale Spezialitäten. Übrigens schmecken viele Gerichte auch mit scharf angebratenem und gewürztem Tofu oder mit Pilzen aromatisch. Aus Soja gibt es außerdem sogenanntes Sojafleisch, das in Gemüsebrühe eingeweicht wie Hackfleisch verwendet werden kann, beispielsweise für Bolognese, Moussaka oder Chili. Sojafleisch sollte der eigenen Gesundheit und der Natur zuliebe aus biologischem Anbau stammen, damit die verwendeten Sojabohnen garantiert nicht transgen (genetisch verändert) sind.

Versteckt!
Wer selbst kocht und bewusst einkauft, der vermeidet weitgehend den ungewollten Konsum von Eipulver, Milchpulver oder Fetten unbekannter Herkunft und Qualität. Diese Billig-Zutaten stecken ansonsten in den meisten Backwaren und Fertiggerichten, in Müsli- und Energieriegeln, in Eiscremes und Saucen.

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Absurde Nahrungsmittelproduktion

Die Perversion unserer Nahrungsmittel-Produktion wird an vielen Stellen deutlich. Intensive Produktion unter hohem Einsatz an Energie, eine schlechte CO2-Bilanz obwohl es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt und unglaubliche Mengen an produziertem Abfall. Weg geworfen werden krumme Gurken, große Kartoffeln oder eben Dioxin belastete Hühner und Schweine. Wir produzieren für Verbrennungsöfen und Müllhalden – angeblich rationell, damit die Lebensmittel billiger werden? Angeblich könnten wir auf nachhaltige und Ressourcen schonende Weise unsere Ernährung nicht sichern und müssten alle hungern. Deswegen füttern wir Nutztieren das, was eigentlich wir essen könnten? Deswegen bauen wir in riesigen Monokulturen weltweit Getreide, Mais und Soja für die Futtertröge an?

Dazu muss man beispielsweise wissen: Kühe geben dann besonders gute und fette Milch, aus der man viel gesunde Butter und ebensolchen Käse machen kann, wenn sie viel Gras und Heu fressen! Sie brauchen dafür keine zugesetzten Futterfette und auch nicht eine Ernährung basierend auf Getreide und Soja! Sie produzieren, dank ihres spezialisierten Magens, ein hochwertiges, gesunde Lebensmittel in Form von Milch aus Gras und Kräutern.

Was hat sich also geändert? Bei unseren heutigen Hochleistungsküchen, die vier bis fünf Mal so viel Milch geben wie die Kühe nach dem Krieg und fast doppelt so viel wie die Kühe vor 25 Jahren, wird die Absurdität heutiger Produktionsmethoden besonders deutlich. Statt den Kühen das ringsum natürlich wachsendes Gras und  Heu zu füttern, und dabei obendrein die Landschaft zu pflegen und zu erhalten, werden Grasfresser zu Nahrungskonkurrenten des Menschen gemacht.

Wieso der ganze Aufwand? Ein Kuh-Magen hat nur eine begrenzte Größe und Aufnahmekapazität. Lässt man die Kuh Gras fressen, so ist sie bald satt und hat dennoch nicht sehr viele Kalorien aufgenommen. Sie gibt nur ein bis zwei Eimer Milch am Tag. Füttert man sie hingegen mit energiereichen Mischfuttermitteln – quasi mit Energieriegeln – so passt viel mehr in die Hochleistungskuh hinein. Da sie über Jahrzehnte entsprechend gezüchtet wurde, kann sie diese Massen an Energie in Milch umwandeln. Besonders rentabel werden die Kuh, das Mastschwein, die Legehenne und das Masthähnchen, wenn sie sich möglichst wenig bewegen und also möglichst wenige Kalorien verbrauchen. Der Rentabilität und damit dem gnadenlosen Preiskampf schadet auch, wenn sich die Tiere an der frischen Luft aufhalten, wo Wind und Kälte zu einem noch höheren “uneffektiven” Kalorienverbrauch führen würden. Ein perverses System.

Von Agrarlobbyisten wird uns das Ganze deswegen auch gerne als besonders ökologisch verkauft. Eine bessere CO2-Bilanz und der Klimaschutz werden ins Feld geführt. Als sei das Fressen von Gras eine Verschwendung von Ressourcen und nicht etwa deren perfekte, natürliche und nachhaltige Nutzung!

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Dioxin in Eiern und Fleisch

Es ist bezeichnend und leider auch typisch für die heutige Agrarpolitik und den Verbraucherschutz. Kaum sind Grenzwerte überschritten wie beim neuesten Dioxin-Skandal in Eiern, Huhn und Putenfleisch sowie im Schweinfleisch, dann wollen alle bessere Lebensmittelkontrollen. Ich auch! Das eigentliche Problem liegt aber im System und viel tiefer. Wieso interessiert die Frage danach, wo das Dioxin ursprünglich herkam und wieso es entstanden ist, weit weniger als die Frage nach der Verteilung im Supermarktregal? Wollen wir jedes Schnitzel analysieren bevor wir es essen können? Ist es nicht viel sinnvoller, Verarbeitungsformen von Lebens- und Futtermitteln auszuschließen, die beispielsweise Dioxin verursachen? Deutlich wird einmal mehr, dass die gängigen Produktionsverfahren und Fütterungsweisen in der Massentierhaltung vollkommen undurchsichtig und sehr gefährlich sind, nicht nur während eines aktuellen Lebensmittel-Skandals.

Alle sind jetzt unschuldig, denn der Erzeuger (Tierhalter) hat seine Futtermittel nur eingekauft, der Futtermittelhersteller ebenso und niemand weiß, woher die giftigen Bestandteile kommen. Selbst unter besten Umständen und ganz ohne spezielle Belastung mit Dioxinen, Pestiziden, Schwermetallen und Antibiotika kommen die Futtermittel wie Getreide, Tapioka und Soja nämlich aus fernen Ländern zu uns und nicht aus Deutschland oder Europa. Mit billigen Futtermitteln können wir Fleischberge produzieren um sie zu Dumping-Preisen wieder zu exportieren. Oft in die armen Länder, aus denen die Futtermittel kamen. Oder wie wir hören nach Südkorea, wo deutsches Fleisch dann billiger ist als das einheimische! Darf das wahr sein? Billigexporte von Hühnern ruinieren beispielsweise auch seit Jahrzehnten Kleinbauern in Afrika, die Hühner halten, denn auch ein afrikanisches Huhn ist teurer als ein unter industriellen Haltungsbedingungen mit billigsten Futtermitteln produziertes Huhn bei uns. Schizophren und eine ökologische sowie soziale Katastrophe.

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