Spirulina – Bio-Richtlinien ad absurdum geführt

Facebooktwitterrss

Spirulina und andere Mikroalgen beziehungsweise Cyanobakterien waren die ersten Lebewesen auf der Erde. Spirulina besiedelte die aus heutiger Sicht vollkommen lebensfeindlichen alkalihaltigen Gewässer, die Ur-Ozeane und Soda-Seen. Für Jahrmillionen gab es keinen Humus und keine organischen Düngemittel. Alle Mineralstoffe wurden direkt aus dem Gestein im Wasser gelöst. Unsere heutigen Kulturpflanzen hätten schon allein deswegen nicht wachsen können. Ganz anders die Mikroalgen wie Spirulina, die im Wasser mit Mineralstoffen, Sonnenlicht  und Kohlendioxid gedeihen – ohne Erde. Alles was Spirulina braucht, ist komplett anorganisch.

Wozu ist Humus gut?

Für die optimale Versorgung der Landpflanzen mit Nährstoffen und Mikronährstoffen ist Humus von großer Bedeutung. Humus ist abgestorbene, teilweise zersetzte organische Substanz aus Pflanzen und Tieren sowie deren Exkrementen, zum Beispiel aus Kuhmist. Die Mikrolebewesen im Humus, ob Bakterien, Regenwürmer oder Pilze, verarbeiten und zersetzen abgestorbene organische Substanz zu Nährstoffen. Humus liefert ein ausgeglichenes Angebot aller Nähr- und Mikronährstoffe. Humus lockert den Boden, lässt Regen bessser eindringen, speichert Luft, Wärme und Feuchtigkeit, gleicht Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht genauso aus wie unregelmäßige Regenfälle. Im ökologischen Landbau ist Humus unverzichtbar und sehr wertvoll, weil er günstige Wachstumsbedingungen schafft und gleichmäßig Stickstoff an die Pflanzenwurzeln liefert..

Was nutzt und woher kommt der Stickstoff?

Stickstoff ist zu knapp 80 % in der Luft enthalten aber praktisch gar nicht in der Erdkruste. Stickstoff ist ein Grundbaustein allen Lebens. Alle Proteine und damit alle Lebewesen enthalten Stickstoff. Menschen und Tiere können selbst kein Protein (keine Aminosäuren) aufbauen, sie müssen es essen. Pflanzen bauen Protein aus anorganischen Stickstoffverbindungen auf, jedoch nicht aus Luftstickstoff. Durch Blitze und durch Regen wird Luftstickstoff in den Boden eingetragen – als pflanzenverfügbares Nitrat. Nur bestimmte Mikroorganismen können direkt Luftstickstoff nutzen. Man nennt das Stickstofffixierung.  Beispielsweise Knöllchenbakterien an Pflanzenwurzeln führen diese Synthese durch. Dieser Bakterien-Stickstoff steht auch den Pflanzen zur Verfügung. Insgesamt entsteht ein natürlicher globaler Stickstoff-Kreislauf.
Im ökologischen Landbau ist der Einsatz mineralischer Stickstoffdünger beziehungswese leichtlöslicher Düngemittel (meist chemisch-synthetischer Düngemittel) verboten. Der Grund dafür liegt zum einen darin, dass die technische bzw. chemische Herstellung sehr energieaufwändig ist. Es wird zur Synthese sehr viel Strom verbraucht. Vermieden werden sollen aber auch die Belastung des Grundwassers durch die leichtlöslichen Dünger und das unausgewogene Wachstum der Kulturpflanzen. Mit steigendem Stickstoffeinsatz in landwirtschaftlichen Kulturen sinkt nämlich deren Gehalt von wertgebenden Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Spirulina wächst anders als Spinat und Karotten!

Bewusste Verbraucher setzen bei Gemüse zu Recht auf den ökologischen Landbau. Hohe Nitratgehalte in Karotten und Spinat durch chemisch-synthetische Düngemittel sind ungesund und belasten die Umwelt. Durch das Verbot von Mineraldüngern im ökologischen Landbau muss der Stickstoffbedarf aus organischer Düngung kommen, beispielsweise aus tierischen Exkrementen wie Gülle und Mist sowie aus Kompost. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn die Wachstumsperioden des Gemüses sind lang genug, der Humus ist bioaktiv, Sonne und Regen im Wechsel sorgen dafür, dass gefährliche Keime absterben. Auch werden alle Gemüse vor dem Verzehr gewaschen.
Ganz anders Spirulina. Die Mikroalgen wachsen in gleichmäßig warmem Wasser, das beste Bedingungen zur Vermehrung von Keimen bietet. Organische Düngemittel in Aquakultur ergeben im Grunde eine Kloake. Für die Kultur von Spirulina sind die Richtlinien des ökologischen Landbaues also unpassend bis absurd! Spirulina (und auch Chlorella) ist nicht gesünder durch organische Düngung!

Chilesalpeter ist für Spirulina optimal

Ein natürlicher und doch anorganischer, rein mineralischer und damit hygienisch einwandfreier Stickstoffdünger, der dennoch ohne klimabelastende energieaufwändige Synthese auskommt, ist der Chilesalpeter. Er  wird in den Wüstenregionen in Chile und Peru  aus großen Lagerstätten abgebaut. Chilesalpeter hat die Summenformel NaNo3 und wird korrekt als Natriumnitrat bezeichnet. Für die Landwirtschaft ist Chilesalpeter ungeeignet, weil das viele Natrium, also das Salz, zur Bodenversalzung führt und damit zur Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit. Auch vertragen die wenigsten landwirtschaftlichen Kulturpflanzen derartige Salzkonzentrationen. Die Mikroalge aus den Ur-Ozeanen beziehungsweise Soda-Seen hat mit dem Natrium (=Soda) hingegen kein Problem. Spirulina nutz das Natriumnitrat optimal zum Wachstum.

Lesen Sie weiter: Gesund und fit mit Spirulina

Facebooktwitterlinkedinmail

Über Stefanie Goldscheider

Stefanie Goldscheider ist Agraringenieurin und Herausgeberin von www.biothemen.de, eines Online-Magazins, das sich mit Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft, Ökologie und Nachhaltigkeit beschäftigt.
Dieser Beitrag wurde unter Gesundheit, Landwirtschaft, Ökologie abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten auf Spirulina – Bio-Richtlinien ad absurdum geführt

  1. Pingback: Kompostieren Teil II | Garten2null

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.