Tierfreunde und Tierschützer nennen als wichtigsten Grund vegetarisch zu essen oder vegan zu leben den Tierschutz, die Liebe zu Tieren und die Ablehnung des Schlachtens. Aus Tierliebe keine tierischen Produkte zu essen, scheint nur konsequent zu sein und klingt zunächst einleuchtend. Was aber wären die Konsequenzen daraus?
1. Artenschutz
Nutztierrassen, die über Jahrhunderte und Jahrtausende gehalten und gezüchtet worden sind, würden einfach aussterben. In unseren begrenzten Landschaften wäre kein Platz mehr für Kühe, Schafe und Schweine. Das ist im Übrigen auch kein neues Problem oder Phänomen, denn seit Jahrzehnten sind Nutztierrassen vom Aussterben bedroht.
“Was wäre schlimm daran, wenn es keine Hinterwäldler Kuh, keine Heidschnucke und kein Buntes Bentheimer Schwein mehr gäbe”, mag der ein oder andere Vegetarier nun fragen. Nutztiere sind Kulturerbe und Naturerbe, sie sind ein Teil der Biodiversität und ihre wilden Vorfahren waren alle vor uns da, bevor der Mensch ihnen begrenzte Lebensräume – etwa auf Weiden – zuwies und angestammte Lebensräume wegnahm. Es würde keine Kühe, Ziegen und Schafe geben, wenn sie nicht gehalten würden. Nicht in Deutschland und nicht in Europa. In Zukunft zur Kuh- und Schweinesafari nach Afrika?
2. Landschaftsschutz
Die Entwicklung unsere Landschaften ging einher mit Tierhaltung. Durch die Haltung von Nutztieren entstanden Wiesen und Weiden, Tal-Auen und Lichtungen. Gras und Gestrüpp was an solchen Stellen wächst, sei es an Steilhängen in den Alpen und in den Mittelgebirgen, sei es auf und hinter Deichen, auf Streuobstwiesen oder Heiden, muss von Grasfressern beweidet werden. Wenn nicht, dann verschwinden diese Landschaften und mit den Landschaften auch alle Pflanzen und Tiere dieser Biotope. An manchen Orten hat man gar keine Wahl – es muss beweidet werden, denn sonst drohen Deichbrüche an der Nordsee, Lawinen auf ungemähten Hängen in den Alpen, verbuschte und undurchdringliche Wasserwege. Die Landschaftspflege wird mehr und mehr zum wichtigen Aspekt der Nutztierhaltung. Warum lassen wir nicht Pferde und wild lebende Tiere wie Rehe, Hirsche und Gämsen das Abweiden übernehmen? Nun, dann müssten wir diese schlachten und essen.
3. Ernährungssicherung
Die Ernährung des Menschen seit seiner Entwicklung beinhaltete stets tierisches Eiweiß und Fett. Wer sich gut auskennt, kann heute auf tierische Produkte verzichten und sich dennoch gesund ernähren. Einige Vitamine und Mineralstoffe sind problematisch und müssen supplementiert werden, der Eiweißbedarf kann aber auch über vegetarische Kost gedeckt werden, der Fettbedarf sowieso und viele gesundheitlich wichtige Stoffe finden sich nur in pflanzlicher Kost. Das stimmt für Europäer und Amerikaner, für alle reichen Industriegesellschaften der Welt. Es stimmt nicht an vielen anderen Plätzen der Welt. Nomadenvölker wie Berber und Beduinen, Hirten beziehungsweise tierhaltende Völker wie die Mongolen, Kirgisen und sibirische Völker können in kargen Landschaften nur dank ihrer Tiere überleben. Die Weidetiere verwandeln mageres Gras und Kräuter in hochwertige Milch, Butter und Fleisch. Es wäre eine ökologische Katastrophe, solche Regionen stattdessen umzupflügen und Felder zu bestellen. Tierhaltung hat überall dort absoluten Vorrang und ökologischen Sinn, wo es zu trocken oder zu nass, zu kalt oder zu heiß für Pflanzenbau ist. Ökologische Vorteile hat Tierhaltung außerdem in allen Hanglagen und Gebirgen. Überall wo befürchtet werden muss, dass Wasser den Boden wegschwemmt oder Winderosion den Boden wegbläst, sollte kein Ackerbau mit dem Pflug betrieben werden. Beispiele für solchen Frevel an der Umwelt gibt es auch aus Europa zu Hauf. Wir legten überall Moore trocken, begradigten Flussauen, holzten Eichenwälder ab, um Gemüse im großen Stil anzubauen. Schafe und Ziegen genauso wie Schweine hätten diese Flächen beweidet ohne sie zu zerstören. Vielleicht hätten wir mehr Lammfleisch und Iberischen Schinken essen müssen und weniger Spargel und Paprika?
Was folgt daraus?
Das alles soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Massentierhaltung ein riesiges Problem unserer Zeit ist. Es ist völlig offensichtlich, dass Futtermittel wie Soja und Getreide besser menschlicher Ernährung dienen sollten und nicht (und schon gar nicht in diesen Mengen) an Hühner, Schweine und Kühe verfüttert werden sollten. Tatsächlich fallen Naturlandschaften noch immer dem Pflug für immer mehr Tierfutter zum Opfer. Doch aus all diesen Gründen könnten ganz andere Schlussfolgerungen gezogen werden, nämlich das sehr bewusste aber sparsame Einkaufen und Essen von regionalen Spezialitäten aus angepassten Tierrassen. Das würde Landwirte unterstützen, die Naturschutz, Landschaftspfege und Tierschutz ernst meinen.
Dazu auch: Absurde Nahrungsmittelproduktion










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Hallo Christine, Anna aber natürlich auch Stefanie,
tolle Beiträge und toller Link von Christine. Ich bin meist Veganer, manchmal Vegetarier, komme davon aber immer mehr davon weg – nicht als Verbot – sondern weil ich es für richtig halte.
Stefanie – ja, die Arten und das Kulturerbe etc. Da bin ich halt anderer Meinung. Auf den Wiesen und Auen, Tälern, Lichtungen, etc. können wir doch weiterhin unser Kulturerbe wachsen lassen und bewundern – aber warum müssen wir sie essen?
Ferner, es wird uns erzählt wir wären schon IMMER Allesfresser gewesen. Das ist aber widerlegt. Wir sind aber auch sehr anpassungsfähig. Wir können schon eine Zeit lang mal auch auf tierische Produkte umsteigen ohne das es uns sofort umbringt. Das ist toll. Auf Dauer verursacht es jedoch viele Krankheiten.
Unser Darmtrackt ist weder für Fleisch noch für Fisch konzipiert. (Zu lang) Wir haben kein Enzym, das tierische Eiweiße aufbricht, unser Gebiss ist kein Fleisch – oder Allesfressergebiß. (Wie z.B. dem des Schweins) etc.
Auch mal zu bedenken ist, dass nach dem 2. Weltkrieg die meisten Menschen sicherlich unterernährt waren bzw. zu wenig zu Essen hatten. Aber! Wir hatten dennoch viel weniger Kranke / Todesfälle als heute. Wo wir uns doch ausreichend mit Fleisch und Fisch und Milch ernähren können.
Habe übrigens noch keine Spezies – außer dem Menschen – gefunden, die nach dem Babyalter noch Milch braucht oder trinkt. Zumal ja die Muttis nur in der Zeit Milch geben wo sie Baby’s haben.
Wie bekommt man also eine Kuh dazu ständig Milch zu geben? Indem man sie vergewaltigt und zwingt jedes Jahr ein Kalb zu gebären (was man natürlich andersweitig ernährt) nur um der Kuh die Milch abzusaugen, die wir dann trinken!
Das ist nicht nur absurd sondern auch eklig, unverantwortungsvoll, grausam, brutal … ach, ich finde einfach nicht die richtigen Worte. Es ist einfach schrecklich was mit diesen Mitbewohnern unserer Erde passiert. Leider durch uns.
Möchte dennoch niemanden anfeinden – nur mal drüber nachdenken – war ja schließlich nicht von Geburt an Veganer. Nur heute denke ich selber.
Gruß, Thomas
Ich bin Vegetarier, aber nicht grundsätzlich gegen das Essen von Fleisch. Das Problem sind die Mengen, die die Menschen in den Industrieländern essen und die damit verbundene Pervetierung der Tierhaltung. Der Bezug zu Nutztieren als wertvolle Nährstofflieferanten ist verschwunden und Fleisch ist im Vergleich zu pflanzlicher Kost verhältnismäßig günstig. Hier läuft eindeutig etwas falsch und damit möchte ich als Vegetarier hinweisen.
Mit der Zeit – je länger man Vegetarier ist, desto weniger will man akzeptieren, dass die meisten Fleischkonsumenten oft weniger feinfühlig und tolerant sind als man sich wünschen würde.
Es ist am Anfang zunächst der Widerwille Fleisch zu essen, weil wir die Haltung der Tiere einfach nicht “menschenwürdig” haben und die Haltung immer mehr pervertiert.
Dazu kommt natürlich der Prozess des Schlachtens ansich. Mit der Zeit wandelt sich die Auffassung immer mehr zu einer echten und tief empfundenen Geisteshaltung.
Ich habe das mal versucht in Worte zu fassen und da ein Bild mehr als 1000 Worte sagt,
habe ich als Künstlerin versucht das bildlich darzustellen. Die Form des Comcics macht das ganze vielleicht zugänglicher siehe:
++++++++++++ http://www.mausebaeren.com/veggie.html +++++++++++++
Falls man eine Erklärung braucht – und das ist immer wieder nötig, kann man das wohl genauso weitergeben.
Also nutzt diesen Link, wenn Euch selbst die Worte fehlen.
Viele Grüße,
Christine