Pferdefleisch?

twitterrss

Nach Angaben der FAO gibt es derzeit weltweit mehr als 60 Millionen Pferde, in der EU nach FAO-Angaben ca. 6 Millionen.
Nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung leben 1,1 Millionen Pferde und Ponys in Deutschland. 300 000 Arbeitsplätze stehen im Zusammenhang mit Pferden. Der Umsatz der Pferdeindustrie wird mit jährlich 7 Milliarden Euro angegeben. Etwa 1 Million Hektar Land dienen der Haltung der Pferde allein in Deutschland. Jährlich werden in Deutschland 45 000 Fohlen von Reitpferden und Ponys neu registriert. Werden diese Fohlen später alle geritten? Wir Deutschen wollen jedenfalls keine Pferde essen…

Pferdezucht

Weil sie viel Geld bringen, werden Pferderassen mit einer strengen Qualitätsauswahl gezüchtet. Je höher die Anforderungen an die Zuchtmerkmale der Pferde sind, desto schärfer ist die Zuchtauswahl und desto mehr bleiben übrig. Nicht für jedes Pferd finden sich neue Halter. Die erste Selektionsstufe erfolgt schon an Fohlen “bei Fuß der Mutter”. Selbst die robusten und zum Reiten insbesondere bei Kindern so beliebten Haflinger werden heute nur weiter gezüchtet, wenn sie den definierten Farbmerkmalen der Rasse entsprechen. Alle anderen, insbesondere Hengstfohlen, werden genauso geschlachtet wie Rinder, die nicht zur Zucht verwendet werden. Schockierend? Welcher Pferdenarr will ein rasseuntypisches Pferd einstellen? Welcher Reitsportler begnügt sich mit einem schwächeren Tier?

Fördergelder lohnen sich nur im großen Maßstab

Wer sich im Dschungel der EU-Subventionen auskennt, der erhält für die Zucht seltener Rassen, für Lebendtransporte oder für den Bau eines Schlachthofs Fördergelder. So kann sich die Massenproduktion beispielsweise von Haflingern richtig lohnen und der Export zum Pferdemetzger ins europäische Ausland. Das alles ist traurig und manches dabei ist sicherlich auch skandalös oder kriminell. Selbstverständlich darf es nicht möglich sein, dass Fleisch betrügerisch als das Fleisch einer anderen Tierart deklariert wird. Können wir keinem Gericht trauen, das wir nicht selbst gekocht haben? Bei Hackfleisch im Fertiggericht zu billigsten Preisen ist spätestens nach den Gammelfleisch-Skandalen der vergangenen Jahre tatsächlich mehr als nur Zögern anzuraten! Der Metzger Ihres Vertrauens wird Ihnen wohl kaum Pferdefleisch unterjubeln.

Fragen an Pferdefreunde

Die Fragen jedoch bleiben bestehen. Was geschieht in Deutschland mit den Pferden, die nicht geritten und nicht zur Zucht verwendet werden können? Geht es uns besser, wenn andere Europäer diese Pferde essen? Finden wir es angenehmer, wenn lebende Pferde zum Pferdemetzger weit weg transportiert werden? Ist der Unterschied wirklich so groß, ob ein Rind geschlachtet wird oder ein Pferd? Sollten wir nicht allen unseren Nutztieren den gleichen Respekt entgegenbringen und ihnen ein artgerechtes Leben ermöglichen? Das bedeutet in der Konsequenz: kein billiges Fleisch mehr – nie und in keinem Gericht und keinen Massenkonsum an Fleisch und Fleischprodukten. Nur dann könnten zumindest die Haltungsbedingungen besser werden, die Massentierhaltung und Tiertransporte vermieden.
Und für alle vom Pferdefleischskandal Schockierten noch einmal: was soll mit den Fohlen und Jungpferden geschehen, die den heutigen Qualitätsansprüchen an ein Reitpferd nicht genügen?

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmail

Über Stefanie Goldscheider

Stefanie Goldscheider ist Agraringenieurin und Herausgeberin von www.biothemen.de, eines Online-Magazins, das sich mit Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft, Ökologie und Nachhaltigkeit beschäftigt.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.