Verdichtung und Steingärten oder wie wir uns selbst die Luft nehmen

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Grün weicht Beton – überall

Wohnraumknappheit in Städten und Vororten. Aber auch 6-Zimmer Wohnungen und 200 qm Häuser für Alleinstehende sind keine Seltenheit und dabei oft schwer zu vermieten oder zu verkaufen. Warum eigentlich fördert man nicht den Umbau solch großer Wohneinheiten zu kleineren, zeitgemäßen für die Single-Gesellschaft? Auch das wäre dann bezahlbarer Wohnraum. Aber nein, viel lieber baut man neu, in jede noch so kleine Lücke in Stadt und Land. Verdichtung nennt sich das und die Volksmeinung lautet: Verdichtung ist gut, Baulücken sind schlecht. Warum eigentlich? Wenn das Zubauen der Baulücken uns davor bewahren könnte, dass immer mehr Natur neuen Siedlungen weichen muss, dann würde ich das auch so sehen. Aber es passiert beides. Neubaugebiete und Verdichtung. Neue Straßen zur Erschließung, neue Betonwände und Asphaltdecken und dann Kiesgärten mit Gabionenzaun rund ums neue Eigenheim. Vorher war es hier grün, allerlei Vogelarten und Kleinsäuger fingen hier Insekten, die wiederum auf Blütenpflanzen ihre Nahrung fanden… Das ist dann alles vorbei. Vorbei mit Blütenpflanzen und Früchten und vorbei mit Tieren, die davon leben. Vorbei zu sein scheint aber auch die Idee der Bauerngärten, der Blütenparadiese, der Obst- und Rosengärten von Hausbesitzern…

Gepflasterte Vorgärten und Hitze

Gabbionen sind große Bruchsteine, die in Drahtgittern zusammengehalten werde. Sie sind an stark befahrenen Straßen willkommener Lärmschutz. Sie dienen als Stützwände und Uferbefestigung. Doch inzwischen werden sie allerorts in Vororten und Dörfern als Gartenzaun verwendet. Damit alles schön ordentlich aussieht und vor allem pflegeleicht ist – ja keine Arbeit mit Unkraut jäten und Hecken schneiden entsteht. Warum bitte braucht man dann einen Garten? Und warum darf man das? In vielen Städten darf man schon lange keine Grundstück mehr bebauen ohne für die vollständige Versickerung des Regenwassers auf dem eigenen Grundstück zu sorgen. Weil die Flächenversiegelung überhand nimmt und keine Kanalisation bei Starkregen soviel Abflusswasser verkraften kann. Offen gelassene Flächen zur Versickerung sind bitter nötig. Doch was ist mit Hitzeperioden und Dürre? Warum darf noch immer jeder seinen Garten leblos gestalten? Flächendeckend Steine und Beton sind in jeder Form und Ausdehnung erlaubt, solange sie Fugen oder Löcher für die Versickerung haben. Doch wenn nichts versickert, weil es nicht regnet, dann heizt sich das auf und schneidet zusätzlich die Luftzufuhr ab. Längst ist das aus allen großen Städten der Welt bekannt. Die Temperaturen liegen hier oft 10 ° über denen des Umlandes!

Warum sind leblose Gärten erlaubt?

Man könnte sagen, die Leute sind selber schuld, wenn sie rund um ihr Eigenheim Steine und Beton statt Pflanzen beherbergen. Doch sie machen das Kleinklima auch für ihre Umgebung unangenehm. Die Versiegelung und Verdichtung, der Naturverbrauch und die Vernichtung von Pflanzen inklusive blühendem Unkraut schadet allen. Der Steingartenbesitzer mit leblosem, undurchdringlichem Zaun hat wahrscheinlich sogar eine Klimaanlage. Der Nachbar mit Grünfläche, Hecke und Bäumen im Garten aber nicht. Auch der Erbauer eines begrünten Daches und einer grünen Fassade in der Stadt hat keine stromfressende Klimaanlage. Doch die Pflanzen seiner ökologischen Isolierung leiden mit unter den Hitze abstrahlenden Betonfassaden der Nachbarschaft. Gießen und neu pflanzen muss nur derjenige, der Leben fördert. Es ist wie immer –  die einen verbrauchen rücksichtslos, die anderen bezahlen dafür mit.

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Über Stefanie Goldscheider

Stefanie Goldscheider ist Agraringenieurin und Herausgeberin von www.biothemen.de, eines Online-Magazins, das sich mit Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft, Ökologie und Nachhaltigkeit beschäftigt.
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