Dioxin in Eiern und Fleisch

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Es ist bezeichnend und leider auch typisch für die heutige Agrarpolitik und den Verbraucherschutz. Kaum sind Grenzwerte überschritten wie beim neuesten Dioxin-Skandal in Eiern, Huhn und Putenfleisch sowie im Schweinfleisch, dann wollen alle bessere Lebensmittelkontrollen. Ich auch! Das eigentliche Problem liegt aber im System und viel tiefer. Wieso interessiert die Frage danach, wo das Dioxin ursprünglich herkam und wieso es entstanden ist, weit weniger als die Frage nach der Verteilung im Supermarktregal? Wollen wir jedes Schnitzel analysieren bevor wir es essen können? Ist es nicht viel sinnvoller, Verarbeitungsformen von Lebens- und Futtermitteln auszuschließen, die beispielsweise Dioxin verursachen? Deutlich wird einmal mehr, dass die gängigen Produktionsverfahren und Fütterungsweisen in der Massentierhaltung vollkommen undurchsichtig und sehr gefährlich sind, nicht nur während eines aktuellen Lebensmittel-Skandals.

Alle sind jetzt unschuldig, denn der Erzeuger (Tierhalter) hat seine Futtermittel nur eingekauft, der Futtermittelhersteller ebenso und niemand weiß, woher die giftigen Bestandteile kommen. Selbst unter besten Umständen und ganz ohne spezielle Belastung mit Dioxinen, Pestiziden, Schwermetallen und Antibiotika kommen die Futtermittel wie Getreide, Tapioka und Soja nämlich aus fernen Ländern zu uns und nicht aus Deutschland oder Europa. Mit billigen Futtermitteln können wir Fleischberge produzieren um sie zu Dumping-Preisen wieder zu exportieren. Oft in die armen Länder, aus denen die Futtermittel kamen. Oder wie wir hören nach Südkorea, wo deutsches Fleisch dann billiger ist als das einheimische! Darf das wahr sein? Billigexporte von Hühnern ruinieren beispielsweise auch seit Jahrzehnten Kleinbauern in Afrika, die Hühner halten, denn auch ein afrikanisches Huhn ist teurer als ein unter industriellen Haltungsbedingungen mit billigsten Futtermitteln produziertes Huhn bei uns. Schizophren und eine ökologische sowie soziale Katastrophe.

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Über Stefanie Goldscheider

Stefanie Goldscheider ist Agraringenieurin und Herausgeberin von www.biothemen.de, eines Online-Magazins, das sich mit Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft, Ökologie und Nachhaltigkeit beschäftigt.

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Eine Antwort auf Dioxin in Eiern und Fleisch

  1. Guter Beitrag, der die weitreichenden Folgen der Dioxin Skandale anschneidet. Schizophren ist wirklich ein passender Begriff…

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