Gesund oder ungesund, Dickmacher oder Diätprodukt – mediale Darstellung und Fakten

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Seit Jahrzehnten zu allgegenwärtigen medialen Themen geworden sind Diäten und angeblich gesunde oder ungesunde Lebensmittel. Genauso lang kämpfen wir nahezu alle gegen Bluthochdruck, einen zu hohen Cholesterinspiegel, Übergewicht und Diabetes, die zunehmend auch bei sehr jungen Patienten auftreten. Was wir tun und nicht tun sollen, um vermeintlich gesund zu bleiben oder zu werden, wird überall kommuniziert, leider nicht unbedingt von Experten.

Diäten und Gesundheit – viel Zeitgeist, wenig Fakten

Besonders beliebt war lange Zeit “low fat” und “zuckerfrei”. Heute wird geschworen auf “low carb” und Protein-Diäten. Essen dürfen wir also Eiweiß, aber bitte ohne Cholesterin, dafür mit Omega-3-Fettsäuren. Eigentlich wäre das kein Problem, wenn man pflanzliche Nahrung wie Salate, Kohlgemüse, Keimlinge, Saaten und Hülsenfrüchte zu sich nimmt und diese mit Meeresalgen aufpeppt. Empfohlen wird aber Fisch – je mehr desto besser – als Ernährungstrend. Das ist ökologisch katastrophal und ernährungsphysiologisch eine Irreführung. Doch leider wird der Umweltjournalismus allzu selten in Zusammenhang mit der Ernährung gestellt, obwohl die Nahrungsmittelproduktion weltweit ein Mitverursacher von Umweltproblemen ist: auch von Antibiotika, Schwermetallen und Mikroplastik in Fisch.

Omega-3-Fettsäuren und die Milchmädchenrechnung

Die gesunden Omega-3-Fettsäuren stammen nämlich aus Mikroorganismen und Pflanzen, entweder von der Wiese und kommen via Eier (böses Cholesterin), Milch (böse Lactose) und Fleisch (böse, wenn rot) zu uns oder sie stammen aus Algen und erreichen uns dann im Fischöl. Längst führt die rücksichtslose Ausbeutung der Fischbestände zu massiven Umweltproblemen. Jeder Mensch braucht pro Tag 0,5 Gramm der in Fischöl enthaltenen langkettigen Omega-3-Fettsäuren. Weiß man, daß Fisch nur durchschnittlich 2 % Fett enthält, von dem nur ein Drittel aus langkettigen Omega-3-Fettsäuren besteht, dann existiert bereits heute ein Bedarf von über 150 Millionen Tonnen Fisch. 2015 wurden ungefähr 85 Millionen Tonnen Fisch aus Meeren gefangen. Die Menge stagniert seit den 1990 er Jahren oder geht in Pazifik und Atlantik sogar zurück. In gewissem Maß können Aquakulturen daran etwas ändern, doch bereits jetzt verschwinden 90 % des Fischöls in den Mäulern von Zuchtfischen. Fischfilets als globales Zukunftsmodell für die Grundversorgung mit Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren sind also eine Milchmädchenrechnung.

Die Bösen waren schnell ausgemacht – Milch und Weizen

Apropos Milchmädchenrechnung. Medial gibt es massive Behauptungen, Milch mache uns alle krank oder erzeuge sogar Krebs. Nebenbei bemerkt und lustiger Weise ist in Milch von der Weide und Käse fast genauso viel an wertvollen Omega-3-Fettsäuren enthalten wie in Fischfilet! Dennoch kommen mehr und mehr Menschen nach solchen weit verbreiteten Fehlinformationen sofort neue Krankheitsbilder, Allergien und Unverträglichkeiten in die Quere. Die Lactoseintoleranz. Sie ist zwar meist unproblematisch, wenn fermentierte Milch und Sauermilchprodukte verzehrt werden aber medial wird die Volksmeinung dagegen hochgeputscht. Ganz ähnlich ergeht es dem Weizen, einem mit Protein und reichlich Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen ausgestatteten Getreide. Wegen der Allgegenwart in allen Fertigprodukten an Lactose und Gluten werden unsinniger Weise auch Vollkornprodukte gleich mit verteufelt. Inklusive Hafer und Gerste sowie zahlreiche Pseudozerealien. Hier können viele Blogger offensichtlich nicht sachlich unterscheiden.

Für den einen Allergen, für den anderen Krebsvorsorge

Sowieso ist es falsch, Allergien als Grund hinzustellen, ein Lebensmittel als ungesund bis tödlich für Alle zu bezeichnen. Allergien und Unverträglichkeiten gibt es davon abgesehen ohnehin gegen alles was gesund ist, gegen Nüsse, Soja, Tomaten, Erdbeeren und Knoblauch.
Erkenntnisse und Gesundheitsprodukte entwickeln sich rasant und sind ein sehr großer Markt. Zivilisationskrankheiten, oft durch Überfluss, bedeuten nicht, dass es keiner Zusatzpräparate bedarf. Trotz übermäßiger Kalorien-Aufnahme fehlen in der persönlichen Ernährung oft Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballaststoffe sowie Antioxidantien und eben die richtigen Fettsäuren. Neue Ernährungs-Empfehlungen aber auch die Behandlung von Krankheiten und Symptomen mit Naturheilverfahren werden Jahr für Jahr publik.
Den Überblick zu behalten und echte Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zu erklären, sind Aufgaben des Medizin- und Gesundheitsjournalismus.

Übrigens vergeben Journalistenverbände nicht nur Presseausweise. Auch fachliche Aus- und Weiterbildung für mehr fachlicher Kompetenz und weniger unkritisches Posten oder Abschreiben werden angeboten.

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Über Stefanie Goldscheider

Stefanie Goldscheider ist Agraringenieurin und Herausgeberin von www.biothemen.de, eines Online-Magazins, das sich mit Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft, Ökologie und Nachhaltigkeit beschäftigt.
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